Sommer 2024 – alles anders als gedacht

Prolog:

Der Austausch des defekten Propellers der Heckschraube wurde eine weitaus größere Herausforderung als gedacht. Nachdem mit Verspätung der neue Propeller endlich geliefert war, erfolgten zwei frustrane Versuche, diesen im Wasser zu tauschen. Beim ersten Versuch fehlte zuletzt nur noch der passende Steckschlüssel zum Lösen der letzten Schraube, beim zweiten Anlauf war das Wetter so schlecht und das Wasser so bewegt und unsichtig, dass abgebrochen wurde. Beim dritten Anlauf mussten wir dann leider feststellen, dass auch nach dem Lösen aller Schrauben der defekte Propeller so verkeilt war, dass eine Demontage nicht möglich war. Wir mussten also leider doch den Auftrag geben, dass Boot aus dem Wasser zu heben und den Propellerwechsel an Land durchzuführen. Da sich aufgrund vieler anderer Termine die drei genannten Versuche bis Ende Juni ausdehnten und eine Anfrage an das ServiceCenter der Marina Port Zélande von dort scheinbar ignoriert wurde, gaben wir alles über JonkersYachts in Auftrag – was dann wie gewohnt auch reibungslos funktionierte. Aufgrund aller Unwägbarkeiten wurde der primär für eine Woche im wunderschönen Städtchen Veere gebuchte Aufenthalt von uns aber storniert und die Entscheidung gefällt, die erste Sommerurlaubswoche der Familie im Heimathafen zu verbringen. Doch es gab noch mehr:

Beruflich sowie auch privat galt es in den letzten Monaten Aspekte zu berücksichtigen, die anderen personellen und finanziellen Einsatz fernab des Bordlebens erforderlich machen. Gleichzeitig ergab sich in der von uns nun abgeschlossenen reisemedizinischen Fort- und Weiterbildung wiederholt die Frage, ob sich finanzieller und zeitlicher Aufwand und beschränkte neue Horizonte mit dem Besitz eines Stahlbootes in Einklang bringen lassen oder unsere Planung für die nächsten 10 Jahre doch noch einmal in eine ganz andere Richtung gehen sollte. Nach wochenlangem Hin- und Her entschieden wir, diesmal wirklich „Ernst“ zu machen und das Boot zum Verkauf anzubieten. Nichts war – insbesondere nach den letzten Jahren und den bewusst gemachten Optimierungen der Seassary – schwerer als diese Entscheidung. Nun ist das Boot über JonkersYachts zum Verkauf stehend. (https://www.jonkers.org) Entgegen dem üblichen Procedere wurde jedoch vereinbart, dass das Boot an seinem bereits bezahlten Liegeplatz im Wasser verbleibt und erst ggf. im Winter in die Halle in Zeeland geht – also nicht mehr nach Stevensweert, bis dahin aber von uns nutzbar. Aus diesem Grund erfolgten in den Wochen seit Ostern nur Kurztrips zum Boot, jedoch keine eigentlichen Törns. Das obige Bild ist daher nicht in Zeeland sondern an der Meerenge von Gibraltar i.R. unserer reisemedizinischen Weiterbildung entstanden.

Törntag 1: MPZ-Roompot

Eine Woche lang hatten Skipperin, Tochter und zwei Hunde schönstes Sommerwetter und Chill- und Beachtime. Wie so oft wurde mit dem Eintreffen des Skippers das Wetter anders… aber kein Grund, nicht abzulegen.

Die Entscheidung für einen kurzen „Best Of“ Törn, der vielleicht sogar der Letzte sein könnte, war mit der Stornierung der Woche in Veere gefallen damit beginnt der gemeinsame Start in den Sommerurlaub auch mit einem gechillten Hafen- und Nordseetag. Doch nun geht es los: um 11:55 laufen nach einem ausgiebigen Brunch beide Motoren, die Querstrahlruder und gesamte Technik funktionieren einwandfrei.

Wir verlassen MPZ und gehen um 13.50 an den Wartesteiger vor der Grevelingensluis – nach 30 min Wartezeit geht es schon in die Schleuse:

In der Hauptsaison stehen Schleusen-Stewards bereit, aufgrund des suboptimalen Wetters ist jedoch wenig los und somit schleusen wir entspannt nach buiten Richtung Keeten.

Wir passieren die Zeelandbrug (zum ersten, aber nicht letzten Mal auf diesem Törn):

Ziel ist primär Zierikzee: Ein Hafen, der jedoch bei Ankunft schon mehr als voll ist – nicht einmal im Päckchen (hier müsste es eigentlich eher „Packen“ heissen) ist ein Platz frei.

An den Fischerbooten hatten wir zwar mit der GS500 einmal festgemacht, das Tragen zweier Hunde über diese Schiffe und vor allem die schmalen Stege über dem Frachtraum wollen wir uns diesmal aber ersparen und drehen daher ab Richtung Roompotmarina.

Damit geht es nach langsamer Fahrt durch den Hafen (max. 5km/h) um 17.00 wieder auf die Oosterschelde und der Abendsonne entgegen. Hier haben wir vor Jahren dauerhaft gelegen und damit werden nostalgische Momente wieder aktuell: Der Havenmeester weist uns Liegplatz 5.09 zu, nur 3 Liegeplätze neben unserem früheren Dauerliegeplatz. Viele Boote „von früher“ liegen dort immer noch und vor allem „Arianne“ – eine alte Princess-Yacht mit noch deutlich älteren Eignern – gibt es auch noch. Definitiv fest liegen wir in der Box um 18.20.

Kein direkter Nachbar, auf dem Weg zur Roompotmarina konnten wir Bruinvisse direkt vor uns sehen und geniessen nun „in memoriam“ die abendliche Runde an Land (die Roompotmarina ist ein Gezeitenhafen) sowie den Weg zurück an Bord:

Törntag 2: Wir bleiben dem Motto treu – Roompotmarina – Zierikzee

Alles etwas anders als geplant – das gilt nicht für den Morgen des Tages: Nach einer sehr ruhigen Nacht und dem Kauf frischer Brötchen und Croissants für ein ausgedehntes Frühstück auf dem Wasser gilt: Wir legen ab Richtung Roompotsluis / Nordsee!

Der Morgen beginnt mit diesem wunderschönen Blick aus unserer Vorschiffkabine. Entspanntes Ablegen (im Gegensatz zu vielen unentspannten Urlaubern am Campingplatzsupermarkt) und genussvoller Kaffeeduft versprechen viel Gutes. Ziel ist Cadzand – der Hafen, der im letzten Jahr mit Dauerregen und Starkwind länger unser Domizil war als gedacht und der nun bei guter Vorhersage 1-2 schöne Hafen- und Strandtage bringen soll. Die Tide stimmt und wir legen um 9.00 ab Richtung Nordsee. Diese Ziel haben offensichtlich auch diverse Segler und schon 45 min später schleusen wir nach draußen.

Auch die Ausfahrt läuft wunderbar und wir schalten – für den Fall der Fälle – den Generator ein, um eventuell die Stabilisatoren nutzen und die Fahrt über die Nordsee geniessen zu können. Zum ersten Mal auf diesem Törn gibt es echte Seeluft.

Doch jetzt kommt es anders als gedacht: Die Tide ist mit uns, der Wind hat jedoch gedreht und kommt streng von vorn. Das Boot rollt kaum, stampft jedoch ziemlich und schnell sehen wir wieder Koffie (Bordhund Nr. 2) in ihrer speziellen Position:

Im Gegensatz zu Shisha und früher Sturdy ist sie alles andere als seefest und verkriecht sich schon bei den kleinsten Schwankungen unter den Tisch, sitzt dort aufrecht und klemmt sich somit wirklich fest. Die Wellen bauen laut Wetterinfo sich bis zu 2m auf und das Boot läuft mit 7,5 kn prima – was man nicht von Koffie und der Skipperin sagen kann. Interessant ist wirklich, dass diese Probleme auf den früheren Booten nie existierten. Die These ist, dass man auf der Sedan einfach näher am Wasserspiegel ist und damit die Bewegungen des Bootes deutlich intensiver spürt. Die Intensität nimmt zu und und führt schon nach knapp 40min auf der Höhe von Vrouwenpolder zur Entscheidung, umzudrehen. Die Mägen von Skipperin und Koffie sind heute zu empfindlich… Aus 7,5kn werden damit bei gleicher Motordrehzahl 4kn und es geht zurück zur Roompotsluis. Dies dauert natürlich und in der gleichen Zeit wäre auch schon fast Westkapelle erreicht worden, aber die Entscheidung steht und es soll ja schliesslich auch Urlaub sein.

Zurück durch die Schleuse und Kurs Zierikzee: Der Vorteil dieser frühen Entscheidung gegen die Nordsee ist ein Liegeplatz direkt am Steg, was mit den beiden Hunden natürlich Gold wert ist. Motoren aus um 13.10.

Schnell wird es voller, der Abend kommt und wir geniessen den Tagesabschluss mit den Olympiaübertragungen im Livestream sowie einem guten Wein.

Törntag 3-5: Zierikzee – Veere

Welcher Stadthafen geht noch für eine Best-Of-Tour? Middelburg, Goes oder Vlissingen? Oder Veere? Wir entscheiden uns ohne langes Nachdenken für Veere. Dieser Hafen hat eine spezielle Geschichte für uns (s.vorne bzw. s.hinten) und ist mit einem erneuten Luxus-Frühstück immer noch gut erreichbar. Wir legen also um 10.15 ab.

Im Hafen und Richtung Oosterschelde ist langsame Fahrt angesagt, von draußen kommt uns ein Ausflugsschiff entgegen. Diverse andere ausfahrende Boote mogeln sich noch schnell durch, von Backbord kommend versucht dies auch ein Segler, was nicht von Erfolg gekrönt ist. Kurz beide Motoren achteraus eingekuppelt und nach wenigen Sekunden ist der Weg nach draußen schon frei. Ausfahrend aus dem Hafenkanal stellt sich die Zeelandbrug schon anders dar als am Vortag:

Parallel zur Brücke geht es wieder landeinwärts Richtung Zandkreeksluis und damit Richtung Veerse Meer. Ganz knapp verpassen wir die Schleusung und legen daher am Wartesteiger (SB) an. Anschliessend füllt es sich langsam und nach 30 min Wartezeit sind wir klar zum Einfahren in die Schleuse. Aktuell ist kaum Wind – aus den vergangenen Jahren wissen wir aber, das diese Schleuse hochfrequentiert und zum Kreuzen / Warten sehr unangenehm sein kann. Um so besser, dass inzwischen bei Einfahrt Richtung Veerse Meer an BB und SB sowie bei Ausfahrt Richtung Veerse Meer an SB inzwischen Wartesteiger neu eingerichtet wurden.

Auch hier sind Stewards im Einsatz, die jedoch aktuell niemand braucht. Wir schleusen einige Zentimeter und fahren danach auf’s Veerse Meer mit Kurs Veere:

Dort liegen wir um 14.50 fest am Passantensteiger und besuchen sodann den Hafenmeister. Zur Erinnerung an den Prolog: Geplant war hier eigentlich ein Gastliegeplatz für die Skipperin für eine Woche.

Der Havenmeester hat uns diesen schönen Platz direkt am Steg zugewiesen und bittet uns wie üblich, zur Zahlung der Liegeplatzgebühren in sein Büro zu kommen …

Einschub – Veere !:

An dieser Stelle sei ein Lob ausgesprochen: Nachdem wir zuvor keine Reaktion auf unsere Stornierung erhalten haben, sprechen wir dies beim Hafenmeister an, der die Angelegenheit prüft und uns zusagt, den Differenzbetrag über den Schatzmeister des Jachtclubs in den nächsten Tagen zu erstatten. Wir zahlen für diese Übernachtung also nichts und entscheiden am nächsten Tag, doch noch eine Nacht anzuhängen. Da laut Hafenmeister der Differenzbetrag von 5 Nächten schon zur Erstattung angewiesen ist, zahlen wir hier natürlich die Liegeplatzgebühren vor Ort. Erstaunt sind wir im Nachgang, dass nicht nur die kompletten vorausgezahlten Gebühren sondern sogar 4,47 Euro mehr überwiesen wurden. Nach Ende des Törns klären wir dies vor Ort und zahlen die Differenz von 56,77 Euro um wieder glatt zu sein.

Da für den Tag zwei größere Boote reserviert haben, werden wir zunächst gebeten, unser Boot nach achtern zu verholen. Kurze Zeit später folgt jedoch schon die Bitte, den Liegeplatz zu wechseln – und wir erhalten auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens einen Platz am Kopf des Steigers. Achtern ist das Wasser zwar sehr flach, aber es liegt sich wirklich komfortabel:

Wir nutzen die Zeit, einfach nur zu geniessen und der Melodie des Glockenturms zu lauschen – zur vollen Stunde bimmelt „Over the rainbow“ – bzw. zu bummeln und ein bißchen die Zeit zu vergessen.

Erwähnenswert ist noch, dass die Entsorgung hier wie in Zierikzee über Glascontainer sowie mit einem QR-Code zugängliche Müllcontainer erfolgt. Gleiches gilt für den Zugang zu den Sanitärgebäuden. Da scheinbar dieses Vorgehen manchen Besatzungen Schwierigkeiten bereitet, ist die Anleitung bewusst einfach gehalten:

Tag 6: Veere – MPZ

Eigentlich haben wir noch einige Tage bis zur Abreise der Skipperin vor uns. Da aufgrund des letzten Erlebnisses eine Fahrt auch nur über die Westerschelde ausscheidet, bieten sich nicht mehr viele Ziele an. Wir legen um 10.00 ab und fahren das Veerse Meer hoch bis zum Veerse Dam, um dort vielleicht einen der Liegeplätze zu ergattern. Selbst mit längerem Warten stellt sich dies jedoch als utopisch heraus, so dass wir schliesslich beidrehen und wieder Richtung Oosterschelde fahren.

Die Wartezeit an der Zandkreeksluis ist diesmal lang und wir verlassen die Schleuse erst um 14.15 Uhr. Unser eigentliches Sekundärziel, der Stadthafen von Goes ist zu diesem Zeitpunkt bereits voll, ein Anruf beim Hafenmeister dort bringt uns nichts als ein freundliches Lachen ein. Wohin also jetzt? Colijnsplaat, Yerzeke oder Bruinisse? Ein Blick auf die Wettervorhersage für den nächsten Tag mit Regen und Starkwind sowie die erforderliche Rückreise der Skipperin bringt die Entscheidung: Wir fahren früher als gedacht wieder in den Heimathafen.

Kurz vor der Grevelingensluis wird es noch einmal spannend. Wir haben den Funkkanal der Schleuse abgehört und auf 2200 rpm beschleunigt, um noch mit in die Schleuse zu kommen. Die Ampel steht auf Grün und wir sehen schon von weitem, dass einige Boote offensichtlich Schwierigkeiten beim Festmachen haben und alles andere als eng gepackt sind. Es kommt, wie es kommen muss: Ein noch vor uns befindliches Segelboot setzt aus der Schleuse zurück, die Ampel springt auf rot und wir machen Fahrt zurück an den Wartesteiger.

Dort liegen wir dann gut 45 Minuten. Die Beschränkung, an Land gehen zu können, ist inzwischen aufgehoben – gut für die beiden Hunde, die sich somit lösen können. Anschliessend geht es durch die Schleuse und wir fahren um 17.50 auf’s Grevelingenmeer. Von dort aus geht es an unseren Liegeplatz zurück. Einen letzten kleinen Aufreger gibt es noch – auf der Schnellfahrstrecke vor der Marina Port Zélande kommt von SB eine große Yacht in Gleitfahrt angebraust und stoppt erst an der Hafeneinfahrt auf und fährt hinter uns in die Boxengasse. Während unseres Anlegemanövers gibt der Skipper der Yacht mit einem schnellen Schlenker nochmal Schub, um an uns vorbei an die Entsorgungsstation zu kommen. Uns versetzt es mit der Badeplattform an den Seitensteg der Box, was folgenlos bleibt. Die Besatzung eines kleinen GFK-Bootes, welches Vis-a-vis am Passantensteiger festmacht, fällt hingegen fast ins Wasser. Selten haben wir ein so rücksichtsloses Fahrverhalten erlebt – und genauso braust die andere Yacht auch wieder davon.

Am Abend zieht dann zunehmend Wind auf und wir sind froh, in der Nacht und am nächsten Morgen gut in der Box vertäut zu sein. Ein geruhsamer Start in den Tag, nochmal einige Stunden Olympia-Übertragung und das ein oder andere Glas Wein lassen die Schlechtwetterfront schnell vorüber ziehen.

Die nächsten Tage geniessen wir, treffen die Stegnachbarn, machen gemeinsame Hunderunden und entscheiden, das Boot zur Abreise der Skipperin mit dem Bug nach vorne in die Box zu legen. Dies hat drei Gründe:

1: Je nach Windrichtung ist die Quallendichte im Hafen sehr hoch, was das obige Bild mit dem Blick zwischen Badeplattform und Steg zeigt. Der Ausblick von achtern in die Boxengasse ist einfach schöner.

2. Der einfache Einstieg für die Hunde wird aktuell nicht benötigt.

3. So ist es möglich, den Rumpf insbesondere am Vorschiff einfacher zu putzen und zu konservieren sowie eine Roststelle an der Ankerrolle am Bug zu bearbeiten

Zusammenfassend ist dies der kürzeste Sommertörn aller Zeiten für uns: 128 sm und 22 Fahrstunden – dafür viel Sonne und Genuss. Die GPS-Erfassung unseres digitalen Logbuchs hat uns zweimalig an Land versetzt – real waren wir aber dauerhaft auf dem Wasser. Nun heisst es Putzen und Waschen, die Mannschaft trennt sich für einige Tage – und gleichzeitig ist Homeoffice auf dem Boot angesagt.

Das Boot hat nun insgesamt 655 Stunden auf der Logge – begonnen haben wir bei der Übernahme vor 3 Jahren mit 280 Betriebsstunden. Für ein Baujahr 2014 also noch ein wenig gefahrenes Boot – wie lange wir es noch genießen, wird sich damit zeigen. Updates folgen.

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