Tag 0: Vorbereitungen / Arbeiten im Winterlager
Auch wenn im Winter 2023/2024 nicht annähernd so viele Veränderungen an der Seassary erfolgten wie im Vorjahr, galt es neben den üblichen Wartungsarbeiten das Antifouling zu erneuern. Nachdem das Boot zum Ende der Saison 2023 aus dem Wasser kam, wurden einige Stellen am Übergang vom Rumpf zum Kiel deutlich, an denen nur noch der blanke Stahl zu sehen war. Damit stand auch kurzfristig der Frühjahrstörn 2024 auf wackligen Füssen, weil nicht klar war, ob alle Arbeiten zeitig genug fertiggestellt werden können. Das Abtragen des alten Anstrichs und der komplett neue Aufbau des Unterwasserschiffs waren zeitaufwendiger als gedacht.

Schlussendlich war aber alles zeitig fertig und Douglas sei Dank mit einer Übernachtung am Steg des Yachtcenter Stevensweert auch entspannt für den ersten Törn des Jahres vorbereitet. Der Skipper überführt als erstes das Auto zur Zieldestination und kehr dann an Bord zurück.

Tag 1: Stevensweert – Mook
Nach einem guten Frühstück verlassen wir am 25.3. um 8.00 Stevensweert und blicken noch einmal kurz auf unseren Liegeplatz der letzten Nacht:

Es ist kalt, aber noch trocken und wir haben am Vorabend entschieden, nicht über die Kanäle zu fahren, da die Nieuwe Sluis Panheel die Schwimmpoller demontiert hat und eine Anmeldung zum Schleusen am Wochenende mehrere Stunden Vorlaufzeit beansprucht. Da die Wettervorhersage für den ganzen Tag durchwachsen bis schlecht ist, nutzen wir die Strömung der Maas und fahren mit 1600 rpm flussabwärts.
Der Weg führt über den Lateraalkanaal vorbei an Roermond und Venlo.

Kurz überlegen wir, bis Nijmegen durch zu fahren, entscheiden uns dann aber doch, in den beschaulichen Kanal Richtung Mookerplas abzubiegen und dort im JH Eldorado zu übernachten. Strom oder sonstige Versorgung ist aufgrund der späten Ankunft dort nicht mehr zu erhalten, dafür ein Liegeplatz am Kopf eines Steigers mit Blick auf den See:

Tag 2: Mook – Dordrecht
Die Schleuse Grave ist aufgrund von Wartungsarbeiten komplett gesperrt, so dass der gesamt Schiffsverkehr über den Waal umgeleitet wird. Wir legen um 8.30 in Mook ab, passieren den Maas-Waalkanal und melden uns dann an der Sluis Weurt per Funk an. Glücklicherweise können wir direkt mit dem nächsten Schleusengang weiter. Hier möchte ein relativ großer Tanker schleusen zu dem keines der anderen wartenden Berufsschiffe mehr in die Schleusenkammer passen würde. Auf Anweisung des Schleusenwärters fahren wir also als Erste in die BB-Schleuse ein und dann schiebt sich Meter für Meter der Tanker an uns heran:

Bei der Schleusenausfahrt melden wir uns auf dem entsprechenden Funkkanal beim Sektor Nijmegen an und können zusammen mit der Berufsfahrt auch schnell das Fahrwasser kreuzen, ab jetzt geht es mit Unterstützung der Strömung zu Tal. Der Strom läuft mit 2,5-3 kn mit, so dass wir ordentlich Fahrt machen. Wind und die Berufsfahrt machen dazu einiges an Welle, so dass zum ersten Mal auf Bitte der Skipperin unser MagnusMaster-System in dieser Saison zum Einsatz kommt. Über Waal, Boven- und Beneden-Merwede kommen wir schliesslich um 17.30 in Dordrecht an und machen dort nach kurzer Wartezeit vor der Engelenburgerbrug im Hafen der Kon. Dordrechtsche R.&Z.V. fest.

Tag 3: Dordrecht – Willemstad
So sieht es am nächsten Morgen aus: Der Blick von der Engelenburgerbrug über die Seassary in den hinteren Teil des Hafens:

Es ist bedeckt und kühl – nach einer etwas größeren Runde mit den Hunden frühstücken wir ausgiebig und legen um 10.45 wieder ab. Über Oude Maas und Dordtsche Kil sowie Hollandsch Diep begegnet uns bis zum Mittag ausschliesslich Berufsfahrt, wir sind scheinbar heute das einzige Boot der „Pleziervaart“. 12.15 erreichen wir die Mündung ins Hollandsch Diep. Von dort aus geht es weiter nach Willemstad – wo wir schliesslich um 13.50 im alten Teil des Stadshaven festmachen. Dies geschieht auf Weisung der wie immer sehr netten Hafenmeisterin.
Wir mögen Willemstad und da für den nächsten Tag Regen vorhergesagt ist, beschliessen wir, zwei Tage zu bleiben – uns hetzt ja nichts. Bis hierher ist es also eine ereignislose Fahrt vom Winterlager zum Sommerliegeplatz. Um so mehr freuen wir uns, dass mit Oliver (Olli) Kulka unser Stegnachbar der Marina Port Zélande (MPZ) am späten Abend zu uns stösst. Er ist ebenfalls dabei, sein Boot zu überführen – plant die Weiterfahrt im Gegensatz zu uns aber schon für den nächsten Tag.

immer noch Tag 3: Exkurs ins Wasser
Eigentlich lief bis hierher alles unspektakulär. Die Hafenmeisterin hatte uns schon angekündigt, dass noch eine größere Yacht eintreffen wird, daher sollten wir soweit wie möglich in die vordere Ecke des Hafenbassins vorfahren. Sie ist schon in ihrem wohlverdienten Feierabend, als dieses Boot dann auch auftaucht – es aber nicht schafft, hinter uns an die Kade zu kommen. Mit wildem Gestikulieren fragt uns der britische Skipper, ob wir unser Boot nicht nach achtern verholen und ihm den vorderen Platz freimachen können. Gesagt, getan: wir wollten zwar eigentlich gerade den gemütlichen Teil des Abends einläuten – starten jedoch sicherheitshalber die Motoren, um die Querstrahlruder zur Verfügung zu haben. Eigentlich verholen wir das Boot lediglich mit den Leinen. Aufgrund der Bewegungen der anderen Yacht erscheint es uns aber sicherer, im Falle eines Falles mit Motorkraft eingreifen zu können.
Es kommt, wie es kommen muss: durch den Schub des anderen Bootes wird unsere Seassary Richtung Hafenkade gedrängt und wir aktivieren das Heckstrahlruder. Leider war – in der Dämmerung unbemerkt – ein Teil des Landstromkabels durch die Ritzen der Badeplattform ins Wasser gerutscht und von da aus in den Tunnel der Heckschraube. Auch das sofortige Deaktivieren derselben hilft nicht, nichts geht mehr. Schließlich fällt die Entscheidung, dass einer (in diesem Fall der Skipper) ins Wasser muss, um das Kabel zu lösen. Dies stellt sich schwieriger als gedacht dar, alles ist blockiert und nach insgesamt 40 min im 10 Grad kalten Wasser geben wir auf und entscheiden, die Schraube frei zu schneiden. Warum das überhaupt so lange möglich ist? Wir haben zum Glück eine hydraulisch absenkbare Badeplattform an der Seassary und die Neoprenanzüge dabei. Somit kann nach einem kurzen Tauchversuch das Ganze kniend im Wasser erfolgen.

Dies sind die abgebrochenen und nicht im Hafenbecken untergegangenen Blätter des SB-Propellers der Heckschraube. Das Landstromkabel ist nach dieser Aktion nur noch ca. 7m lang. Große Teile der Isolierung sind nicht mehr intakt, so dass wir mit Hilfe unseres technisch versierten Gasts an Bord am noch intakten Kabel den Stecker neu montieren um zumindest übergangsweise den Landstrom nutzen zu können.
Tag 4 – Willemstad: Wie geplant bleiben wir in Willemstad und organisieren schon einmal einen neuen Propeller (dem Internet sei Dank) sowie auch ein neues Landstromkabel. Der örtliche Bootsbedarf hat leider beides nicht vor Ort. Die Mißstimmung löst sich allmählich wie auch der Regen auf und wir haben einen ausgeglichenen Tag mit leckerem Essen und einem schönen Abend am Ufer des Hollandsch Diep.

Tag 5: Willemstad – MPZ
Kurz vor 9.30 starten wir die Motoren für die letzte Etappe – es wird wieder unspektakulär. Dank der zwei Motoren lässt sich das Boot optimal manövrieren, so dass die defekte Heckschraube nicht ins Gewicht fällt. 10.00 Volkerraksluis, 11:50 Krammersluis, 12:40 Grevelingensluis. 15.20 Port Zelande – hier ist das Boot dann um 15.30 komplett vertäut und die Motoren verstummen für die nächsten Tage.

Wir bleiben über die kompletten Ostertage noch hier und treffen einen Teil der Familie – und geniessen die frische Luft der Nordsee.

Es ist zwar sonnig, aber noch sehr kalt und immer wieder kommen Regenschauer dazu. Die Bilanz des ersten Törns: 26,5 Motorbetriebsstunden, 8 Generatorstunden sowie 120 Stunden, in denen die Dieselheizung wirklich erforderlich war. Auf der Maas waren wir im Schnitt mit 1600 rpm, auf Waal und Hollandsch Diep mit 1600-1800 rpm, auf Volkerrak und Krammer mit 1800 rpm und auf dem Grevelingenmeer mit 1800-2000 rpm unterwegs.

