Halloween – Törn 2023

Prolog

Spät wie selten soll in diesem Jahr unser letzter Törn erfolgen. Eigentlich hatten wir vor, die Seassary Anfang Oktober in die Heimat zu überführen und die letzten schönen Oktobertage auf der Maas zu nutzen – das jedoch wirklich tolle Wetter hielt uns davon ab und wir sind länger in Schouven-Duiveland geblieben als geplant. Nun musste das Unvermeidliche aber seinen Lauf nehmen und über Halloween stand der Wechsel ins Winterlager definitiv an.

Da über das letzte Oktoberwochenende eine mässige Unwetterwarnung bestand, entschieden wir, dieses noch in Port Zélande zu bleiben, die rauhe Nordseeluft zu geniessen und den Geburtstag der Skipperin mit einem wunderschönen Borrel in einer der tollen Strandbars zu feiern. Unsere Wahl fiel auf den Strandclub „Zee“, bei schönstem Wetter haben wir den Nachmittag dort wirklich geniessen können. Gleichzeitig kam die Überlegung auf, wie der Törn wohl werden könnte. Variante a) sonnig oder b) duster und kalt – wir sollten von beidem etwas haben und dazwischen viel grau. Die Bilder in diesem Post spiegeln daher Variante a) und b) wider – alles dazwischen war einfach nur nass.

Tag 1: Port Zélande – Willemstad

Mit diesem Blick aus unserer Kajüte läuten wir die Abfahrt aus MPZ ein. Mindestens 5 Tage Zeit, um das Boot zu geniessen und anschliessend natürlich noch das in Port Zélande verbliebene Auto zu holen und das Boot winterklar auszuräumen stehen an.

Bei 4 bft Wind legen wir ab und geniessen den Sonnenaufgang auf dem Grevelingenmeer.

Minimale Wartezeiten an den drei heute anstehenden Schleusen kommen uns zugute, da der Himmel zunehmend grauer wird. Grevelingensluis, Krammersluis und Volkerraksluis sind passiert, da setzt der Regen ein. Wir überlegen, in welchem Hafen in Willemstad wir festmachen und entscheiden uns für den Gemeindehafen. Der eigentliche alte Stadthafen ist voll, so dass wir unterhalb der Stadtmauern im Jachthafen festmachen.

Hier setzt dann auch der richtige Regen ein, der erst in den frühen Morgenstunden aufhören wird. Der Ort ist wie ausgestorben – nach einer Runde mit den Hunden und Kleinigkeiten an Einkäufen ist der Abend auch schon da, wir lassen diesen gemütlich ausklingen.

Ein bisschen kann man hier erahnen, wie der Vorabend von Halloween werden sollte. Mit gut funktionierender Heizung und Kerzen gibt es jedoch keinen Grund, sich zu gruseln. Und laut Windfinder soll der nächste Morgen schön werden, das gibt Hoffnung…

Tag 2: Willemstad – Heusden

Wir können kaum glauben, dass zwischen den obigen Bildern nur 12 Stunden gelegen haben. Bei herrlichem Sonnenschein starten wir eine ausgiebige Runde mit den Hunden – wohl wissend, dass dieser nicht allzu lange anhalten soll. Das Frühstück geniessen wir auf dem Hollands Diep und sehen nach der Spoorbrug Richtung Dordrecht an Steuerbord so viele liegende Kähne für Schubverbände wie noch nie:

Weiter geht es über die Amer – der Fluss führt relativ viel Wasser und wir haben mehr Strömung gegen uns als sonst gewohnt. Vorbei an Drimmelen und der Amercentrale soll Heusden (JH De Wiel) heute unser Ziel sein. Wir mögen den Ort und die Marina. Dort ist der Havenmeester nur noch telefonisch erreichbar und weist uns einen Platz unterhalb der Stadtmauer zu, wo wir komplett alleine am Steg liegen. Das Wetter ist inzwischen wieder genau so wie am Abend zuvor – ob das wohl an Liegeplätzen an historischen Mauern oder an Halloween liegt?

Der Liegeplatz hat ein wenig Gespenstisches an sich, oder? Scheinbar kommt auch der erste Geist an Bord – zumindest lässt sich das Axiom Display an SB nicht ausschalten, sondern hängt sich komplett auf. Das dauert sogar noch an, als wir es vom Strom trennen – erst nach mehrfachen Versuchen und Ein- sowie Ausschalten der Sicherungen fährt das Display schliesslich herunter.

Abend Nummer zwei unterwegs klingt mit einem guten Glas Wein dann ohne weitere Überraschungen aus.

Tag 3: Heusden – Grave

Am nächsten Morgen kommt eine Überraschung, entgegen seiner Ankündigung ist der Hafenmeister nicht anwesend und auch telefonisch nicht erreichbar. Auch über eine Rückrufbitte auf seine Mailbox erfolgt keine Reaktion – wir wollen aber ablegen und deponieren daher die Liegeplatzgebühr incl. Touristenbelasting in einem Umschlag und wassergeschützt am Steg, fotografieren dies und schicken ihm eine Mail. Stunden später kommt die Antwort und ein Dankeschön. Alles gut also, wir sind zu diesem Zeitpunkt schon vor Den Bosch.

Der Himmel zieht sich langsam zu und Wind zieht zunehmend auf. Vor der Sluis Grave müssen wir leider lange warten – was bei ordentlich Strömung im Unterwasser der Schleuse und 6 bft nicht so angenehm ist. Leider ist der Wartesteiger komplett von Berufsschiffern belegt, so dass wir fast eine Stunde kreuzen. Dann endlich können wir hinter einem Tanker noch in die Schleuse herein. Dieser hat 115 m, wir 13,5 m Länge – bei 137,5 m Länge der Schleusenkammer ist es eng und das Schraubenwasser des Tankers drückt uns ziemlich an die Spundwand. Die Fender halten und dann öffnet sich endlich das Schleusentor zur Ausfahrt.

Der Wind bei der Schleusenausfahrt ist stark wechselnd und gibt uns einen Vorgeschmack auf das, was am nächsten Tag zu erwarten sein wird. Wir drehen ab nach Steuerbord und machen im Hafen von Grave fest für die Nacht. Die Hafenmeisterin und ihr Kollege sind noch dabei, die Boote dort zum Teil nochmals zu sichern, da Sturm erwartet wird und weisen uns einen Platz am Meldesteiger zu. Hier liegen wir ruhig und sicher.

Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt, um ein deftiges Menü in einer der Eetarias zu bekommen, rundet den Abend ab.

Tag 4: Grave – Venlo

Heute ist Sturm angesagt – und wir haben am Vorabend lange überlegt, ob wir in Grave abwettern oder weiterfahren. Ciaran soll an der Küste wüten und auch binnen ordentlich Wind bringen. Da aber nur Sturmböen vorhergesagt sind und die Windstärke im Mittel bei 5-6 bft liegen soll, entscheiden wir, früh abzulegen und fahren zunächst der Sonne entgegen. Scheinbar waren auch die Halloween-Geister wieder an Bord: Zunächst funktionieren weder Ruderlageanzeige noch digatale Drehhzahlmessung. Erst nach zwei Neustarts des Systems funktioniert alles wieder wie gewohnt. Die Sonne begleitet uns auch in den ersten Stunden. In dem Moment, wo wir bei Cuijk der Maas in südlicher Richtung folgen, kommt der Wind streng von vorne und wir werden unwillkürlich langsamer. Gegen Wind und Strom zu fahren macht heute 1,5 kn weniger Geschwindigkeit aus. Mit Blick auf die nicht gegebene Eile und den Verbrauch der Motoren bleiben wir dennoch bei einer Drehzahl von gut 2000 U/min.

“ Gegen-den-Wind mit dem Fahrrad?“

„Für viele ist das eine Horrorvorstellung. 310 Teilnehmer freuen sich jedoch darauf. Sie radeln ab Donnerstag um 12 Uhr 8,5 Kilometer über den Oosterscheldedam. Da wehen ihnen dann 30 Knoten Wind entgegen. Muss man wollen. Zumal der Wettbewerb auf normalen Hollandrädern ohne Gangschaltung stattfindet. Nur Rücktritt ist erlaubt, falls der Wind mal zu doll wird. Besondere Punkte gibt es für Nachhaltigkeit: Wer ein recyceltes Fahrrad, also eines das aus einer Gracht gefischt wurde, fährt, fährt in einer Extrakategorie Recycelt ist auch der Kranz für den Gewinner. Der komme vielleicht von einem Friedhof.“ […]

Quelle: Stegfunk.de

Am Bug unseres Bootes stehend, können wir uns vorstellen, was die Radfahrer erwartet. Wir haben bei unseren Wetter-Recherchen den oben stehenden Artikel gefunden und dann ein bisschen weiter gestöbert: Unter 7 bft findet das Rennen gar nicht statt. Wie es wirklich aussah, ist sicherlich aus den Nachrichten bekannt. Auf der offenen Maas zeigte unser Windmesser max. 45,2 kn Wind an – das war fast Windstärke 10. Da wir in „de Opvaart“ sind, ist das Schleusen aber unproblematisch. Bis auf den Schleusenwärter in Grave sind alle anderen extrem zuvorkommend und schleusen uns nach entsprechender Anmeldung über Funk flott durch. Wir wählen als nächsten Hafen Venlo, da wir dort geschützt anlegen können und sind dann auch froh, als wir dort ankommen. Schon wieder wird es dunkel und regnet es…

Ein anderer Eigner, der mit seinem kleinen Segler vor uns am Steg liegt, bittet uns um Hilfe, da er auf Weisung des Hafenmeisters sein Boot verholen muss und Sorge hat, bei dem Sturm mit uns zu kollidieren. Wir helfen ihm gern und sind mit ihm froh, als er anschliessend sicher in einer Box angekommen ist. Leider läuft es nicht ganz kollisionsfrei ab, beim Ansteuern der Box drückt ihn der Wind an eine Dalbe. Er nimmt es aber mit Humor und widmet sich scheinbar seinem nächsten Bier. Da wir nicht wissen, wie das Wetter und unsere Zeitplanung weiter werden, entschliessen wir uns, bereits in Venlo einmal Bargeld abzuholen, um am nächsten Tag in Maasbracht bei Tullemans B.V. tanken zu können. Hier ist nämlich nur „contant“ möglich. Da in Blerick der von uns avisierte Geldautomat buiten bedrijf ist und wir – bzw. Skipper und Hund Koffie – ohnehin nass sind, sind es am Ende des Tages dann noch gut 9km Fussmarsch.

Tag 5: Venlo – Maasbracht

Der Wind hat deutlich nachgelassen, es ist durchwachsen mit kurzen sonnigen Momenten – somit aber angenehm für den letzten Schlag unseres Törns.

Die Maas hinauf an Venlo vorbei, an der Schleuse Belfeld ganz allein in der Schleusenkammer und anschl. vorbei an Roermond in den Lateralkanaal kommt der Wind weiter streng von vorne und wir freuen uns jedes Mal, wenn wir mehr als 4-5 kn Fahrt machen können. Das ist eigentlich aber nur im Oberwasser der Schleusen sowie im Kanal der Fall. In der Schleuse Heel werden wir angewiesen, bis ganz vorn durchzufahren und an SB anzulegen, da hinter uns noch ein Berufsschiffer kommt. Leider fehlen hier die Schwimmpoller für die kleineren Boote zur Hälfte und wir müssen uns ziemlich strecken, um an den hohen Pollern für die Berufsschifffahrt festzumachen. Dann wird zügig aufwärts geschleust und wir nehmen Kurs auf die Julianaschleuse, da wir noch tanken und die letzte Nacht im Maasbrachter Passantenhafen verbringen wollen.

Dort weht es ordentlich und wir finden einen schönen Platz längsseits am Steg mit direktem Blick aufs Wasser für die Nacht. Die Hafenmeisterin sagt sich zum Kassieren für den nächsten Tag an und wir machen uns klar für den letzten Abend an Bord.

Tag 6: Maasbracht – Stevensweert

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es auf die letzte Stunde dieser Bootssaison zu. Tullemans Oliehandel B.V. liegt direkt gegenüber von uns auf der anderen Seite, so dass wir sehen können, ob andere Boote tanken oder nicht und entsprechend ablegen können. Diese Sicht ist aber gar nicht nötig, denn wir scheinen heute wirklich die Einzigen zu sein, die dort Diesel bunkern wollen.

Nach dem Anlegen dort vergeht eine ganze Zeit, bis der Mitarbeiter von Tullemans kommt und unser Boot betankt. Vorab weist er uns noch einmal auf den Preis und die erforderliche Barzahlung hin. Wir bestätigen dies und tanken Diesel zu 1,70 Euro pro Liter, währenddessen hält er mit uns einen netten Schnack.

Nun geht es definitiv auf die letzten Seemeilen. Zunächst stromabwärts bis zur Autobahnbrücke der A2, um wieder auf die Maas zu kommen, vorbei an Wessem in Richtung des alten Maasarms, an dem für uns alles mit dem Boot begann – vor nunmehr 15 Jahren. Wir lassen die Marina von Van der Laan Yachting an uns vorbei ziehen, wundern uns einmal mehr über die vielen Angler, in den letzten Tagen unverdrossen am Ufer stehen und zum Teil sogar campieren.

Hinter der Eilandbrug Stevensweert ist unser Ziel das Yacht Center Stevensweert, wo Douglas Bartlett uns an die Sliprampe fahren lässt.

Wir konkretisieren noch einmal unsere Wünsche für das Winterlager und bringen diese zu Papier. Am Ende stellen wir fest, dass bis auf einige Aussetzer das Boot problemlos gelaufen ist und immer sicher war. Dennoch sind einige kleine Probleme vorhanden gewesen, die es sicherheitshalber abzuklären gilt – was hoffentlich keinen zu großen Aufwand bedeuten dürfte. Es geht nun ans Ausladen und Einwintern, zusätzlich muss noch unser Auto wieder aus Zeeland zurückgeholt werden – mit dem OV in den Niederlanden jedoch kein Problem. Währenddessen wird gerade dieser Blog erstellt….

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