Sommer 2023

#1 – Port Zelande – Cadzand Bad

Wohin geht der Törn im Sommer 2023? Wir sind völlig unentschlossen… Berufliche und private Gegebenheiten lassen dieses Jahr besonders – nein, anders – sein.

Wir haben lange überlegt, ob wir das IJsselmeer und Friesland, die Inseln oder ein anderes Ziel aussuchen. Da unser Urlaub sich überlappen muss und wir nicht die gesamte Zeit gemeinsam an Bord verbringen können, fällt die Wahl einmal mehr auf die niederländisch-belgische Küstenregion. Port Zelande bis Vlissingen und von dort dann einen Tag später nach Cadzand – Bad lautet unser Plan. Dort verbleibt die Skipperin dann eine Woche und hat zumindest auch 2022 den Aufenthalt dort sehr genossen. Nicht allein natürlich, Koffie und Shisha, die beiden Bootshunde sind dabei und auch eine liebe Freundin wird einige Tage an Bord sein in der kommenden Woche.

Da die Anreise ans Boot erst in der Nacht erfolgen kann, soll am nächsten Tag Vlissingen als Zwischenstopp dienen. Die Abfahrt kann daher gemütlich um kurz vor 8.00 erfolgen, ausgiebiges Frühstück auf dem Grevelingenmeer inbegriffen.

Zum Glück haben die Hunde den blinden Passagier nicht bemerkt und so läuft alles friedlich bis zur Grevelingensluis. Dort gibt es knapp 30 min Wartezeit – in dieser Zeit haben wir Kontakt mit dem lieben Alexander Jonkers, der seinerseits auf dem Rückweg von seiner Tour nach London ist (Jonkers Yachts Klantentocht).

Kaum aus der Schleuse in das Fahrwasser Richtung Zeelandbrug abgedreht begegnen wir ihm auch – neben mehreren anderen „Linssen’s“ – die wir auch photographisch festhalten und in der Linssenyachts Crousing Group posten.

Nun geht es bei diesigem Wetter Richtung Zeelandbrug, davor dann Backbord Richtung Zandkreeksluis. Hier herrscht reger Verkehr, die Wartezeit bis zur Schleuseneinfahrt ist dennoch nicht wirklich lang.

Die Schleusenstewards packen relativ eng und hinter uns liegt ein Traditionsboot mit dem Heck bis kurz vor den Drempel – vor allem aber mit einem eindrucksvollen Motor. Das Geräusch ist rhythmisch-speziell und bleibt uns lange im Ohr. Beatboxing by ship.

Anschliessend relativ eintönige Fahrt über das Veerse Meer Richtung Veere: Die Hunde werden langsam etwas unruhiger. Da der Passantensteiger dort voll ist und die anderen Skipper nicht wirklich platzsparend angelegt haben, drehen wir direkt ab Richtung Schleuse und den Kanaal door Waalcheren. Auch am Wartesteiger hinter der Schleuse ist es (wie auch an allen anderen Schleusen in Zeeland scheinbar aktuell) verboten an Land zu gehen, so dass wir weiter Richtung Middelburg fahren.

Die Maximalgeschwindigkeit beachtend, sind wir leider knapp 10 min zu spät für den Blauwe Golf. Dies ist eine Möglichkeit für Freizeitskipper, die Durchfahrt von Middelburg bis Vlissingen und ca. 1 Std. zu fahren. Auf den paar Kilometern gibt es einige Brücken, die dann geöffnet werden – um andererseits den Strassenverkehr nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Abfahrt Richtung Vlissingen ist ab der Stationsbrug in Middelburg. Also drehen wir ab zum vvv.arne, um dort am Boodschappensteiger anzulegen und die Hunde zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Der ganze Hafen ist bereits voll und auch an den Boodschappensteigern liegen Päckchen von mindestens 3 Booten:

Wir legen dann um 18.25 wieder ab, um die Durchfahrt um 18.37 zu nutzen.

Ausser uns ist nur ein weiteres Boot dabei – alle anderen haben schon ihren Liegeplatz gefunden. Eigentlich wollen wir nur bis Vlissingen – der Hafen dort ist aber bereits voll und im Scheldekwartierhaven öffnet die Dokbrug um 20.30 und morgens dann um 8.30 bzw. 10.30. Mit Blick auf die Tide und die bestehende mässige Unwetterwarnung (aktuell 4-5 bft Wind, am nächsten Tag sind 6, in Böen 7 bft vorhergesagt) entscheiden wir, die Schleuse Vlissingen kurz anzufunken und haben vorher bereits den Hafenmeister von Cadzand kontaktiert.

Dieser war sehr freundlich und hat uns freie Wahl für einen Liegeplatz am B- oder C-Steiger gelassen, der Schleusenmeister meinte „geen probleem“ und öffnete direkt das Tor der kleinen Schleuse für uns.

Wir waren in 15 Jahren noch nie (!) alleine in dieser Schleuse – heute gibt es dann die Premiere.

Nach der Ausfahrt dann Generator an und die von DMS Holland eingebauten Stabilisatoren aktiviert… los geht’s auf die Westerschelde.

Durch das späte Verlassen der Schleuse sind wir knapp 2 Std. nach HW Vlissingen und haben den Strom mit, den Wind gegen uns. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten erhöhen wir die Drehzahl auf gut 2000 rpm – kurzfristig zur Fahrwasserquerung sogar auf 2200 rpm und bringen es damit auf einen TopSpeed von 14,5 km/h – im Mittel sind wir aber mit 13 km/h unterwegs. Das Wetter ist unsichtig, wir stampfen teilweise ordentlich, rollen aber kaum. Somit fühlt man sich auf der kleinen Linssen zu keinem Zeitpunkt unsicher.

Schliesslich dann Anfahrt auf die Marina Cadzand, wo es direkt nach Passage der Hafenmole sofort ruhiger wird. Wir legen mit dem Heck Richtung Steg an und freuen uns auf die erste Nacht in einem anderen Hafen. Insgesamt 14 Stunden nach der Abfahrt (Wartesteiger und Boodschappensteiger nicht eingerechnet) hat die Seassary nun eine Woche Pause verdient.

#2 – Tag X: Cadzand-Bad – Vlissingen

Wieso Tag X? Ganz einfach – so lange waren wir noch nie (ausser im Heimathafen und in London) an einem Ort. Ausserdem sind wir insgesamt 10 Tage in Cadzand-Bad geblieben. Warum so lange? Ganz einfach:

Der Abend am Strand ist doch traumhaft und warum sollte man dort weg? Die Hunde sind auch glücklich und der Strand ist direkt neben der Marina:

Die Bilder täuschen aber… Skipper und Tochter kommen in der Nacht wieder zurück an Bord. Ab diesem Zeitpunkt besteht eine moderate Unwetterwarnung, Windstärken von im Mittel 6 Beaufort und Regen bzw. unsichtiges Wetter stehen an. Erst am 1. August soll die Wetterlage sich etwas ändern.

Also entscheiden wir, einige Hafentage einzulegen. Die Fotos sind wirklich die einzigen, die in den kurzen Gutwettermomenten entstanden sind. Ansonsten dominieren Regen, Wind und Wolken die Tage. Da nun ein Auto in Cadzand-Bad steht, wird dieses an den Veerhaven Breskens „verholt“ und der Fussmarsch von dort zurück ist in knapp 2,5 Stunden gemütlich geschafft. Training wäre anders – aber es ist ja Urlaub 🙂

Der Plan ist, am 1.8.23 mit 4-5 bft und einer Wellenhöhe von max. 1 m dann sicher in Richtung Zeeland / Vlissingen zu fahren. Bis dahin geniessen wir das Bordleben, die Ruhe und den Markt in Cadzand-Bad, insbesondere den Fischstand dort.

Mit diesem Blick vom Bug auf die Nordsee hinaus beschliessen wir den letzten Abend in Cadzand…

Dann gestaltet sich der erste August jedoch fast wie ein anständiger Herbsttag. Wir werden mit Regen wach, ordentlich Wind noch dazu und die Windfinder-App stellt auf einmal komplett andere Daten zur Verfügung als noch am Vorabend. Das bestätigt auch unser Blick zum Himmel und auf den Windmesser.

Wir checken noch einmal die Vorhersagen und entscheiden, dass uns 6 bft und 2 m Wellenhöhe auf dem Weg Richtung Westerschelde nicht vom Ablegen abhalten. Praktischerweise hört es genau zu der Zeit, wo wir ablegen wollen auf zu regnen. Der Blick vom Vorabend gestaltet sich nun so:

Generator an, um genug Strom für das Magnus-Master-System zu haben, Leinen los! Die Ausfahrt aus dem Hafen wird trotz allem etwas spannend, da die auflaufende Flut Richtung Hafenmole treibt und der Wind ablandig ist. Nach 5 Minuten ist der wildeste Ritt geschafft und wir rollen trotz der Stabilisatoren noch ganz ordentlich der Tonne W5 (Wielingen 5) entgegen. 2300 rpm fahren wir sonst nie – sind hier aber sinnvoll, um gut steuerbar zu sein. Wind schräg von hinten und Welle von BB, 6-8 kn. Dann drehen wir ab ins Fahrwasser Richtung Westerschelde und reiten auf den Wellen mit dem auflaufenden Wasser. Vor Breskens müssen wir einige Containerschiffe passieren lassen und queren dann das Fahrwasser Richtung Vlissingen an der allgemein empfohlenen Stelle. Informationen hierzu findet man ganz einfach unter http://www.varendoejesamen.nl.

Die Blockkanäle in diesem Küstenabschnitt haben sich übrigen 2022 geändert. Wir sind losgefahren im Bereich von Traffic Center Zeebrugge (VHF 69) und dann an W5 in den Bereich der Verkeerscentraale Vlissingen (VHF 14) gewechselt. Beim (verpflichtenden) Abhören des Funkverkehrs bekommen wir die Kommunikation eines Containerschiffs mit der Centraale Vlissingen mit, die sich gerade über unser AIS-Signal unterhalten und feststellen, dasss das kleine Boot, welches man bei dem Seegang kaum sieht, eine Yacht ist (nämliche unsere) und dieses Boot aber sicher fährt. So fühlen wir uns auch – trotz weniger Masse als in der früheren 430 AC oder 500 VT.

Mit Anlaufen des Voorhavens der Schleuse Vlissingen wird es deutlich ruhiger und die Schleuse öffnet zufällig gerade im Moment unserer Anfahrt ihre Tore. Flugs und sicher geschleust, knappe 25 min Wartezeit mit Kreuzen vor der Dokbrug verbracht und es geht in die Marina. Am Wartesteiger hatten leider zwei egoistische Segler festgemacht: jeder so klein, dass wir nicht an ihm anlegen wollten, aber jeder so, dass wir auch nicht hätten festmachen können.

Die Einfahrt in den Jachthaven Scheldekwartier läuft nach dem Öffnen der Brücke problemlos. Durch die dort neu gebauten Häuser fegt der Wind mit aktuell gut 6 bft jedoch ordentlich und erschwert etwas das heckwärtige Anlegen in der Box. Der Hafenmeister ist auf den Stegen und nimmt die Leine der Mittelklampe an, so dass alles entspannt ist. Unentspannt lässt uns nur vorher einer der Segler sein, der auch in der Boxengasse extrem viel Zeit und Platz für sich benötigt und kein klares Manöver fährt…

Da wir sehr schnell unterwegs waren und schleusen konnten, ist es aktuell noch leer in der Marina. Das ändert sich mit der nächsten Brückenöffnung zwei Stunden später. Nun ist nahezu jeder Platz belegt.

Der Skipper nutzt die Zeit, mit der Fähre nach Breskens zu fahren, das dort stehende Auto nach Port Zélande zu bringen und mit dem OV über Renesse – Zierikzee – Goes zurückzufahren.

Wie schon auf der Rückfahrt nach Deutschland fällt wieder auf, wie toll der OV in den Niederlanden organisiert ist und funktioniert. Alles ist sauberer, die Menschen gelassener und in den neuen Bussen findet sich an jedem (!) Sitzplatz ein USB-Ladepunkt, selbst im Sprinter – Nahverkehrszug in der 2. Klasse jeweils ein 220V- und ein USB-Steckplatz.

Den Abend verbringen wir gemütlich auf dem Achterdeck. Noch 4-5 Tage Zeit für den Rest der Rückfahrt – also beschliessen wir den nächsten Hafen-(Wasch-und-Shopping)-Tag einzulegen.

#3 – Vlissingen – Veere

Es war eine gute Entscheidung mit dem Hafentag… Der Wind bläst heftiger als am Vortag und wir geniessen das Wetter an Land. Glücklicherweise gibt es immer wieder trockene Episoden, so dass wir das Boot mit und ohne Hunde immer wieder verlassen, um die Nordsee von ihrer rauhen Seite zu geniessen.

Schlussendlich wollen wir dann aber doch weiter und legen mit der Brückenöffnung um 11.30 ab. Ein letzter Blick auf den Scheldekran und wir passieren die Dokbrug, um auf den nächsten „Blauwe Golf“ zu warten. Wir sind nicht allein – aus der Marina legen allein ausser uns fünf weitere Boote ab. Hinzu kommen noch einige, die aus der Schelde bzw. dem Vereinshafen kommen. Insgesamt 12 Boote brauchen nun eine Stunde, um die gut 5km bis Middelburg zu fahren.

Hinter der Stationsbrug biegen die meisten Skipper nach BB ab – entweder, um zu Jos Boone B.V. zu fahren oder an den Boodschappensteiger / in die Marina. Wir bleiben auf dem Kanaal door Walcheren und fahren Richtung Veere.

Die Schleusung Richtung Veere läuft schnell und unkompliziert. Eigentlich war der Plan, dort am Veerse Dam an einem der Stege zu übernachten – die erneut schlechte Vorhersage lässt uns jedoch kurzfristig anders entscheiden und wir fahren in den Stadthafen. Selten haben wir dort so wenig Gastlieger gesehen wie heute. Da der Hafenmeister nicht weiss, ob noch viele Passanten kommen, weist er uns einen Platz direkt am Steg – und an der Fäkalienpumpe zu. Letztere können wir ignorieren – es kommt allerdings am gesamten Nachmittag / Abend nicht dazu, dass ein weiteres Boot dort einen Liegeplatz nimmt. Insofern hätten wir schon etwas mehr Platz haben können, als mit unserer Badeplattform unter dem Buganker des nächsten Boots zu liegen. Aber egal, wir geniessen den Abend …

#4 – Veere – Port Zélande

Was für ein Urlaub! Viele unserer Herbsttörns waren witterungsstabiler als dieser Törn. Die Angaben bei Windfinder, Yacht Weather und Omroep Zeeland werden immer wieder korrigiert und angepasst. Allen gemein ist aber, dass am Freitag, den 4.8. die Sonne meistens scheinen soll. Wir überlegen lange, wie die Schlussetappe aussehen soll. Die Hinfahrt nach Cadzand war lang – eigentlich liegt uns das auch – und wir wollten vielleicht bis nach Frankreich: Dünkirchen oder Calais waren das primäre Ziel. Mit Blick auf die Wetterlage haben wir dies aufgegeben und dann zumindest für die Rückfahrt neue Häfen geplant. Auch daraus wurde nichts. Also noch einmal die Überlegung, zumindest einmal die Marina Oesterdam anzulaufen – aber andererseits auch nach gechillten Tagen der Wunsch nach stressfreiem Ankommen im Heimathafen. Wir entscheiden uns für letzteres, frühstücken fürstlich auf dem Wasser und kreuzen eine gefühlte Ewigkeit vor der Zandkreeksluis. Real waren es 40 min Wartezeit auf die Schleusung:

Schleusenwärter und Schleusenstewards weisen alle Crews an, so weit wie möglich aufzuschliessen. Wir tun dies, liegen bis auf einen Meter am Heck eines Daycruisers, weitere Boot im Päckchen an uns fest. Und hinter uns? Siehe oben…. Alles leer und das Schleusentor geht zu. Für einige der Besatzungen wäre es sicher entspannter gewesen, nicht so dicht auffahren zu müssen…

Der Rest ist schnell erzählt: Mit auflaufendem Wasser 4 Std. vor HW Vlissingen auf die Oosterschelde, durch die Grevelingensluis ( hier nur rund 30 min. Wartezeit) nach Port Zélande.

Anlegen in unserer Box, das ganze Salzwasser einmal abspülen und den sonnigen Abend geniessen heisst es nun. Am Ende war es unser kürzester Sommertörn in 15 Jahren – trotzdem war es schön und vor allem mehr als entspannt an den ganzen Hafentagen. Einer soll noch dazu kommen:

Grau in Grau – und am nächsten Tag nass und wirklich wieder richtig stürmisch… es war der kälteste und zugleich auch nasseste und windigste Sommertörn der letzten Jahre. Dennoch fühlen wir uns an Bord zuhause und schmieden schon die Pläne für 2024. Es kann nur besser werden – und führt uns dann wohl eher in die nördlicheren Gefilde. Waschtag am Sonntag, eine passagere Trennung der Crew und am nächsten Wochenende schauen wir dann, wie es weitergeht.

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