
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
2023 – die Saison naht und wir können es kaum erwarten, wieder an Bord zu sein. Im Winterlager hatten wir diverse kleinere Optimierungen am Boot vor und dann einen frühen Beginn der Saison Ende März geplant. Pünktlich am 1. April wollten wir an unserem Liegeplatz im Heimathafen den ersten Anleger zelebrieren. Doch daraus sollte nichts werden.
Im Yachtcenter Stevensweert (www.ycs.eu) hatten wir im vergangenen Winter Glück und konnten in der neuen Bootshalle einen wunderbaren Platz zum Überwintern für die Seassary finden. Das letzte Jahr in Krimpfolie verpackt in de Buitenstalling hatte uns nicht so ganz überzeugt. Douglas Bartlett hatte aber dank umfangreicher Erweiterungen seines Yachtcenters eine neue Halle gebaut, in das Boot perfekt überwintern konnte. Alle Arbeiten (dazu unten mehr) waren zeitig ausgeführt und somit freuten wir uns auf den Beginn der Saison am vorletzten Märzwochenende.
Aufgrund der ausgedehnten Regenfälle waren die Pflasterarbeiten auf dem Terrain des YCS jedoch nur verzögert fertig geworden, so dass ein Transport des Bootes aus der Halle heraus ins Wasser unmöglich wurde. Um das gerade halbwegs fertiggestellte Pflaster nicht zu früh zu belasten, war ein Kran- oder besser Sliptermin erst in der ersten Aprilwoche möglich.
Was nun? Der Urlaub war als Betriebsurlaub auch für alle Mitarbeiterinnen geplant und der Plan des Skippers, den Heimathafen beruflich wie auch privat auf Hochglanz zu polieren, stiess auf wenig Gegenliebe. Also gab es zwei Fragen zu klären: Wie kommt das Boot nach Port Zelande und wie kommen wir irgendwo anders hin in Urlaub?
Frage eins war schnell beantwortet: Douglas hatte bereits einen professionellen Skipper angefragt, der für uns das Boot nach MPZ überführen konnte (wir waren aufgrund der beruflichen Planung für die nächsten Wochen leider zeitlich nicht in der Lage dazu) und war wahnsinnig kulant in der Kostenübernahme – großes Lob unabhängig von allem anderen dafür!
Frage zwei war fast genau so schnell beantwortet: Ein Urlaub in einem Appartement in NL war relativ teuer und kaum noch buchbar, ein Urlaub mit einem WoMo in einem entfernteren Ziel aufgrund der damit verbundenen Nebenkosten ebenfalls nicht sinnvoll. Also schnell ein Wunschziel ausgesucht: Amalfiküste. Dort waren wir noch nie und auf eigenem Kiel – nein, auf eigenem Chassis – war dies auch realistisch erreichbar. Das obige Boot haben wir dann allerdings nie genutzt 🙂

Tag 1 bis 2:
Ziemlich genau 1700 km trennten uns von der Amalfiküste und wir hatten dort in Benincasa ein schönes Appartement, in dem auch Hunde willkommen waren, über eines der einschlägigen Internetportale gemietet.
Unser Mini Countryman war locker in der Lage, uns mit einem Zwischenstopp in Milano entspannt dort hin zu bringen. Erste Pause für die Hunde bei Baden-Baden, zweite Pause mit schönem Spaziergang direkt vor dem Gotthard-Tunnel und dann in einem Rutsch durch zum Hotel Forum in Milano. Dort war alles sehr einfach und zweckmässig, mehr jedoch wirklich nicht. Insbesondere nicht das Frühstück. Zum Glück gab es in der Nähe einen famila-Markt (den kannten und liebten wir bisher nur aus Norddeutschland, speziell auf Sylt) und die Tour konnte weitergehen. Die Hunde waren zufrieden, ein Stop “ a Firenze“ und einmal Beitanken reichten aus bis Benincasa. Dort empfingen uns Andrea und seine Frau als Manager der Residenze Zelzar herzlichst.
Bei der Erklärung des Appartements fühlten wir uns wie im Hafen: Bullaugen-ähnliche Fenster und vor allem zig Erläuterungen, dass die Absicherung schlecht ist, also: entweder Klimaanlage oder Heizung oder Herdplatte und dort immer nur eine und nie auf volle Leistung“ und „nie mehr als WC-Papier einlagig in die Toiletten“ kennt man ja nun und als wir verständig all dies bekräftigten, war die Stimmung perfekt. Es war aufgrund der relativ gemütlichen Abreisen jeweils nach 10.00 schon relativ spät und so entstand nach dem Ausladen des Autos das obige Photo von unserem Balkon – Blick Richtung Vietri / Salerno.


Tag 3 – Sonne 🙂
Bei Tageslicht sahen wir die erste Amalfi-Zitrone und das direkt auf unserem Balkon. Wunderbar. Frühstück, noch ein bisschen Zeit zum Chillen und Ankommen und dann ging es die nächsten Tage auf Erkundungstour. Die Amalfitana ist wunderschön und wir hatten tolle Erlebnisse. Vor Ort waren wir zunächst natürlich in Vietri, dann in Salerno. Ein lieber Bekannter, bei dem ich eine wunderschöne Ausbildung für LesMills machen durfte, gab uns noch Tipps für die nächsten Tage. Domenico Lopopolo’s Empfehlungen konnten wir allerdings gar nicht alle realisieren. Dafür war die Zeit dann doch zu kurz. Dennoch lieben Dank an ihn!

Positano darf nicht fehlen…
Gefühlt sind wir 10 mal die Amalfitana lang gefahren und haben tolle Ausblicke genossen, nicht zuletzt in Positano. Da dieser Ort mehr vertikal als horizontal gebaut ist, mussten wir die Hunde oft tragen. Ein Toller (Shisha) und ein frisch an den Ellbogen operierter Aussiedor (Koffie) sollten ja nicht überstrapaziert werden – und damit ging es herunter bis an den Strand von Positano und zwischenzeitlich auch herauf bis weit über Positano. Die üblichen Postkartenbilder haben wir auch – aber die gehören nicht in den Boots-Blog 🙂 Daher hier ein etwas anderes Panorama-Bild.

Tag 4: Amalfi …
Natürlich durfte auch Amalfi selbst nicht fehlen und in dieser Bucht war das kleine Schwimmparadies für Koffie. Echte italienische Pizza, Limoncello aus Amalfizitronen – die sind wirklich so interessant, dass wir einen Zitronenbaum als Souvenir und zum Pflegen mit nach Hause genommen haben. Selbst der passte in den Mini…

Tag 5 – oder 6 ?
Ein letzter Abend in der Residence Zelzar und ein letzter Blick auf die Küste. Wir mussten feststellen, dass wir viel zu wenig Zeit hatten und selbst ohne Pompeji und Ravello sowie viele andere tolle Orte empfanden wir die 5 Tage vor Ort mal kürzer, mal länger und waren selbst mit den italienischen Verkehrsgegebenheiten (Ampeln und Schilder sind scheinbar oft lediglich Empfehlungen) schon sehr vertraut. Dennoch ist auf der Amalfitana sowohl das Panorama als auch der Verkehr spannend – und das ausserhalb der Saison. Die Busse der Sita waren willkommen wenn man hinter Ihnen her fahren konnte und das Gegenteil, wenn sie entgegen kamen. Jedenfalls könnten wir aus den fünf Tagen vor Ort einen eigenen Blog kreieren – aber das gehört nicht hier her. Also geht es schweren Herzens auf die Rückreise – über Como wieder nach NRW.

Aber selbst am Comer See ist es irgendwie maritim. Unsere Seassary liegt weiterhin in der Halle und dürstet nach Wasser…

MPZ – und was war davor?
Wir arbeiten, vermissen zwar den Überführungstörn in die südlichen niederländischen Gefilde, zehren aber noch sehr von den Erlebnissen in Süditalien. Zwischenzeitlich war die Grevelingensluis wegen Wartungsarbeiten gesperrt, so dass der Skipper unser Boot mit straffem Fahrplan über die Kanäle in zwei Tagen überführt hat. Alles perfekt – auch wenn es sich sehr komisch anfühlt, nicht selbst gefahren zu sein.
Aus zwischenzeitlichen Überlegungen, vielleicht in ein Ferienappartement (zur Vermietung und Eigennutzung) zu investieren, wurde wieder das Reisebedürfnis und wir überlegen nun, eine andere mobile Alternative zum Boot zu finden. Zunächst gibt es aber die nächste Umplanung: statt des geplanten Törns über Pfingsten haben wir Nachrückerplätze für die Qualifizierung zur reisemedizinischen Beratung und Beratung zur Tauchmedizin bekommen – eine Fortbildung, die wir schon auf 2024 verschoben hatten. Diese findet nun aber über das Pfingstwochenende bis zum 4.6.23 statt und führt uns wieder Richtung Mittelmeer. Da Fortbildung für unsere Berufsgruppe Pflicht ist und uns dieses Thema nicht nur interessiert sondern auch aktiver Nutzungsbedarf ist, wird es auch über die Pfingstwoche keine Motorstunden geben. 2023 ist also das Jahr der Flexibilität. Und das macht – nebenbei gesagt – im Jahr des 20. Praxisjubiläums vor nichts halt, selbst nicht vor unseren Mitarbeiterinnen…. was wir sehr schade finden.

Ostern und das letzte Aprilwochenende an Bord
Wir nutzen also die Ostertage um Familie und das letzte Aprilwochenende um Freunde – und ehemalige Linssen-Skipper – zu treffen, was auch mehr als nur schön ist. Und chillen – denn die nächsten Tage in den Praxen werden speziell werden.
Was sind denn nun die Änderungen?
Wir haben einige kleine Änderungen im Winterlager gemacht – jedoch kein Vergleich zu den umfangreichen Arbeiten des Vorjahrs.
Nicht alle haben wir abgelichtet – nur die anschaulichsten Bilder folgen:

Da an den Gangborden trotz Persenning immer Wasser in die Pflicht lief, haben wir die Stufen teaken lassen – die Kante hält viel Wasser ab und es ist auf einen Schlag trockener in der Pflicht, vor allem bei Starkregen.

Im Bad ist kein Heizungsauslass in der 40.9 und Handtücher etc. trocknen vor allem im nasskalten Herbst, wo wir gern noch unterwegs sind, sehr schlecht. Also haben wir einen Elektrohandtuchheizkörper installiert. Dieser heizt und trocknet auf zwei Stufen und erwärmt den Raum absolut ausreichend.

Kochen an Bord war auf dem vorhandenen dreiflammigen Feld, welches auf das TouchControl – Panel auch nur gelegentlich reagierte, nicht wirklich ein Vergnügen. Mit vier Flammen und Feldern unterschiedlicher Größe haben wir nun echten Mehrwert.

Klein, aber wirkungsvoll – die Originalanzeige unseres Mastervolt-Ladegerätes / Umformers war kaum benutzbar. Neues Display – alles prima.

Ein in unseren Augen echtes Manko der 40.9 Sedan in der Ausführung 2016 ohne Longtop ist die Erreichbarkeit der Heckklampe beim Schleusen sowie der unpraktische Zugang über die Badeplattform. Bei Regen muss man die gesamte Persenning hochrollen bzw. anheben. An BB sieht man die Original-Scheibe, die Hälfte an SB haben wir von http://www.gommans-zeilen.nl neu fertigen lassen und dreigeteilt So ist bei schlechtem Wetter nun der Bereich über der Hecktüre zu öffnen, beim Schleusen nur der steuerbordseitige Teil – und die Pflicht bleibt deutlich trockener.

Da wir die Kuipluik relativ oft nutzen war die bisherige Befestigung nicht stabil genug . Durch die Montage von Aluprofilen und zwei entsprechenden Scharnieren ist diese nun uneingeschränkt nutzbar und stabil.
Das Linssen-Variodeck wurde mit einer zusätzlichen Isolierung an den Rändern versehen, um Zugluft zu vermeiden, die Anlasser wurden erneuert und ansonsten die üblichen Winterarbeiten ausgeführt. Da das Antifouling noch sehr gut aussah, haben wir auf einen Neuanstrich erstmalig in dieser Saison verzichtet.
Die im letzten Jahr ausgetauschte stärkere Heckschraube hatte 2022 ja keinen wirklich besseren Wirkungsgrad bewiesen, was allerdings nicht an der Schraube, sondern an der an unserem Boot vom Voreigner montierten hydraulischen Badeplattform liegt. Dadurch strömt das Wasser des Querstrahlruders gegen deren Träger und der Wirkungsgrad ist deutlich reduziert. Auf der Boot 2023 haben wir bei der Werft andere Modelle insbesondere bzgl. dieser Eigenschaft angesehen und dabei festgestellt, dass wirklich nur eine Tieferlegung der Heckschraube mehr Effekt bringen würde. Da wir glücklicherweise zwei Motoren besitzen die in der Regel ja auch funktionieren, ist dies eine Option, auf die wir verzichten.

Abschied…
Wer war eigentlich ausschlaggebend für unser erstes Boot? STURDY!
Eigentlich hatten wir unseren ersten Bootsurlaub als Charterurlaub geplant, doch dann kam vor 15 Jahren eher unser Golden Retriever „Sturdy“ in die Familie als geplant. Also kam das Chartern wegen Hundeverbot nicht in Frage und sie hat uns seither von der JozefVlet über die DutchSturdy, die 430er und die 500er bis zur 40.9 Sedan begleitet – nun zum ersten mal leider nicht mehr. Ihre Asche haben wir an ihrem Lieblings-Badeort im Grevelingenmeer beigesetzt. Dort fahren wir nun jedes Mal vorbei, wenn es an und von Bord geht. Insofern ist sie immer noch irgendwie bei uns und beim Boot.
So viel also zu den ereignislosen und gleichzeitig ereignisreichen ersten Wochen der Saison 2023. Mehr folgt. Unseren Liegeplatz verlassen wir heute nun und freuen uns, in gut zwei Wochen wieder an Bord zu sein:

