Alles anders als man denkt, aber alles wird gut

Tag 1: Stevensweert – Maasbracht
Die Ostertage und damit auch der Osterurlaub kommen! Wir sind gespannt, wie unser Boot sich macht.
Für das Winterlager hatten wir einige technische Aufrüstungen geplant: das Boot sollte von der klassischen mechanischen Morse-Schaltung auf eine elektronische Schaltung umgerüstet werden, um somit auch eine Fernsteuerung der Motoren sowie der Querstrahlruder zu ermöglichen. Ein Radar mit Doppler-Anzeige und damit auch die Installation eines neuen Displays sowie die Aufrüstung des Heckstrahlruders waren geplant. Für das Innendesign sollten die Linssen-typischen Vorhänge manuell zu bedienenden Plissees weichen, ferner das Cabrio-Verdeck gereinigt und angepasst werden. Da wir leider keinen Hallenplatz bekommen hatten, lag unser Boot zum ersten Mal seit 12 Jahren „an Land“ – jedoch in Krimpfolie eingepackt. Wir waren sehr skeptisch…
Durch die allgemein bestehenden Probleme auf dem Elektronikmarkt war es leider auch nicht nicht möglich, die eigentlich favorisierten Raymarine Axiom-Displays der neuesten Generation mit mehr Rechenpower zu erhalten. Statt eines verspäteten Saisonbeginns fiel daher die Wahl auf das Vorgängermodell. Dieses verrichtet im Alltag ausreichend schnell seinen Dienst. Corona-bedingt gab es auch diverse Ausfälle im Bereich der Techniker sowie der Lieferanten. Grosses Lob daher an Douglas, der teilweise bis in die späte Nacht koordiniert und vor allem gearbeitet hat, um unser Boot zum avisierten Zeitpunkt fahrklar zu machen! Später folgt hierzu noch mehr. Gleichzeitig war die Installation eines MagnusMaster-Systems über DMS Holland in Kerkdriel geplant. Über einen vorab extrem netten und verbindlichen Kontakt mit Patrick Noor waren wir nach dann wiederum einigem Hin- und Her- Geplane dazu gekommen, dass wir die Stabis dort vor Ort installiert bekommen. Eigentlich hätte laut Aussage von DMS einer gereicht, unser Sicherheitsgedanke, das Vorhandensein der kompletten Vorrüstung und vor allem die Sorge, dass die im Gegensatz zu den vorherigen Booten gute Anfangsstabilität und der gute Geradauslauf bei geringer Rumpfgeschwindigkeit darunter leider könnten, ließ uns den Auftrag zur Installation zweiter Systeme geben.
Die Inneneinrichtung mit der Entfernung der alten Vorhänge und dem Ersatz durch graue Plissees wurde durch Douglas Bartlett ebenfalls perfekt koordiniert, der Ersatz der Bullaugenvorhänge durch Frencken in Maasbracht ( den Haus- und Hof- Lieferanten von Linssen )- lief herrlich unkompliziert und unkonventionell.
Nun aber genug – wir legen in Stevensweert ab, wo umfangreiche Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten des Yachtcenters begonnen haben – und fahren die 2,5 km zum JH v.d. Laan um dort die erste Nacht zu verbringen. Bereits vor 500 m vor dem Hafen gibt der Motor Alarm. Douglas ist schnell zur Stelle und so fahren wir noch einige Kilometer Testfahrt die Maas rauf und runter. Das Problem scheint beseitigt und wir planen noch einen Tag länger in Maasbracht und damit in der Nähe des Yachtcenters zu bleiben, falls doch noch einmal Probleme auftauchen sollten.

Tag 2: Maasbracht – Venlo

Selten – nein, noch nie – hatten wir so viel Zeit für eine so kurze Strecke. Somit blieb immer Zeit für ein ausgedehntes Frühstück. Um 10.15 starten wir die Motoren und liegen nach kurzer Wartezeit um 10.50 in der Schleuse Heel. Über den Lateraalkanaal gehtes wieder auf die Maas Richtung Venlo, nächste gemütliche Schleusung um 13.05 und um 14.20 ist bereits unser erstes Ziel, der Jachthaven Venlo erreicht. Bei bestem Wetter legen wir diesmal mit viel Platz am Passantensteiger an und testen zum ersten Mal für eine etwas längere Ausfahrt Richtung City unsere Ninebots von Segway. Dort ist es jedoch derart voll, dass es einen schnell zurück aufs Wasser zieht. Beide Hunde (Koffie und Shisha, Sturdy war mit unserer Tochter zuhause geblieben) kommen damit ausgiebig zu ihrem Recht auf einen Spaziergang an die Maas.
Tag 3: Venlo – Well (Leukermeer)
Das späte Ablegen wird schon fast zur Morgenroutine – um 10.20 gehtes diesmal weiter die Maas hinunter zum Jachthaven ‚t Leuken. Vor über 10 Jahren waren wir hier das letzte Mal, damals noch mit der Dutch Sturdy. Inzwischen hat sich dort einiges getan, dennoch erkennen wir alles wieder. Ein schöner Liegeplatz mit dem Heck zum offenen Wasser ist um 13.00 bereits erreicht. Beim Gang zum Hafenmeister ereilt uns ein schöner und zugleich trauriger Anblick:

Unser erstes Boot, die St.Jozefvlet 850 Salon AK liegt ebenfalls im Hafen! Mit der Vlet hatten wir unseren ersten Bootsurlaub 2008 verbracht und damals zum ersten Mal hier gelegen. Immer wieder hatten wir nach ihr Ausschau gehalten, sie aber nie mehr auf dem Wasser gesehen. Nun sieht unser „Frunz“ leider nicht mehr so schön sondern eher traurig aus. Die Messingbullaugen sind matt, die Wieling und die Mini-Sturdy als Beiboot fehlen und unser ehemals ganzer Stolz, der schöne klar lackierte Holzmast, ist nun scheinbar dunkel gebeizt. Leider ist niemand an Bord – wir hätten gern erfahren, wie es dem Boot in den letzten Jahren so ergangen war…
Tag 4: Well – Grave
Die Abfahrtszeiten sollen sich scheinbar immer weiter nach hinten verschieben – heute geht es um 10.25 los. Nach einer Tucker-Runde über das gesamte Leukermeer und um die dortigen kleinen Inseln herum ist die Maas um 10.50 erreicht. Die nächste Schleuse kostet uns relativ viel Zeit am Wartesteiger, die wir für eine kurze Hunderunde nutzen können Mookerplaas wollen wir diesmal nicht anfahren, dafür aber einmal den Hafen ‚t Loo in den Kraajenbergse Plassen anschauen. Dort gefällt es uns aber nicht wirklich, so dass wir bis nach Grave weiterfahren. Der Hafen dort liegt etwas versteckt, aber sehr geschützt und wird sicherlich noch öfters von uns für einen Zwischenstopp angefahren werden. Der Ort hat uns ausnehmend gut gefallen und auch ein AH – Supermarkt ist direkt um die Ecke.

Tag 5: Grave – Lith
Noch später! Erst um 10.45 starten diesmal die Motoren – wir mussten einfach noch mal in den Ort und Boodschappen für die Hunde besorgen. Eine wirklich sehr nette Verkäuferin in der dortigen Tierbedarfshandlung gibt uns sogar noch Leckerli zum Testen mit. Die Wartezeit an der Schleuse ist kurz und wir planen Maasbommel anzufahren – ebenfalls in Remineszenz an unseren ersten Bootsurlaub. Der damals noch vorhandene schöne Anleger direkt längsseits an einer Wiese war nun einer kleinen Steganlage gewichen – alles in allem wird daher nur eine längere Pause (1 Stunde) dort eingelegt – und die ist auch noch gebührenpflichtig!

Hier hat Koffie dann auch ihre „Bootstaufe“ – sie ist zum ersten Mal vom Steg ins Wasser gefallen. Der Schreck ist bei den Menschen sicherlich aber deutlich größer als bei ihr selbst.
Weiter geht es zur nächsten Schleuse, auch hier wieder relativ lange Wartezeit. Dafür sins wir dann ganz alleine und es geht zu Tal:

Um 17.25 ist dann das letzte Etappenziel, der JH „De Lithse Ham“ erreicht. Eigentlich hätten wir auch schon nach Kerkdriel weiter fahren können – es sollte jedoch noch nicht so schnell das Ende des Törns kommen.
Tag 6: Lith – Kerkdriel
Die späteste und vorerst letzte Abfahrt beginnt um 12.00, um 13.10 ist bereits die Marina Kerkdriel erreicht und das Boot am Passantensteiger vertäut.

Unser Auto ist dort schon geparkt (während des Aufenthaltes in Maasbracht hatten wir es zu unserem Zielort gefahren, zurück ging es problemlos mit dem OV) und somit bleibt nur noch, das Boot weitestgehend klar zu machen für die kommenden Installationsarbeiten. Rens van Hal von DMS Holland hatte es leider nicht zeitig zur Marina geschafft, so dass wir den Hafenmeister informieren und das Boot dann am Folgetag von DMS übernommen und aus dem Wasser geholt werden sollte. Wir sagen für eine Woche Bye Bye und fahren zurück in die Heimat und zum Arbeitsalltag.

Tag 7 – Kerkdriel – Kerkdriel

Die Übernahme des Bootes gestaltet sich hektischer als gedacht: Nach dem normalen Arbeitstag muss der Skipper schnell zur Übergabe, die Arbeiten ssind bei Ankunft dann aber noch nicht ganz abgeschlossen. Dennoch steht um 17.00 das Kranen ins Wasser an. Die Techniker von DMS nehmen noch schnell ihre Sachen von Bord und mit einer so rasanten Gechwindigkeit habe ich noch nie ein Boot vom Kran gefahren gesehen. Ebenso schnell geht es ins Wasser und muss die Krananlage frei gemacht werden.
Beim Verholen des Bootes in die eigentliche Marina istd ann Rens van Hal an Bord und erklärt, dass die Restarbeiten noch in unserem Heimathafen gemacht würden. Gleichzeitig sei der Umformer nicht stark genug, um beide Stabilisatoren rein elektrisch zu betreiben. Da wir einen Generator an Bord haben, sollte dies aber kein Problem darstellen.
Anschliessend heisst es dann, schnell ein Auto zum Zielhafen zu bringen und wieder mit dem OV Richtung Kerkdriel zu fahren – die Nachhut und die beiden Hunde kommen in der Zwischenzeit an Bord an und um 0.00 ist dann die Zeit für Nachtruhe – ein Teil der Crew hatte die offensichtlich auch vorher schon nötig.

Tag 8: Kerkdriel – Willemstad
Vorbei ist’s mit dem Ausschlafen – wir starten um 7.40 mit der aufgehenden Sonne aus der Marina Kerkdriel auf die Maas.
Keine Schleuse, wenig Verkehr und um 14.35 war damit in gemütlicher Fahrt über das Hollands Diep Willemstad erreicht. Der Hunde wegen wollten wir zeitig dort sein, um in jedem Fall einen Platz am Steg / an der Kaimauer zu bekommen. Es zieht uns in den Stadthafen / alten Jachthafen – in der neuen Marina waren wir bei den letzten beiden Aufenthalten. Leider ist im Stadthafen bereits alles voll, unser Platz im alten Jachthafen ist jedoch auch sehr schön:


An uns macht dann noch ein Trawler fest – dessen Besatzung informieren wir, dass wir am Folgetag zeitig gegen 8.00 ablegen wollen… Nicht wissend, was nach einem dann sehr angenehmen Abend passieren sollte.
Tag 9: Willemstad – Port Zélande

8.00 – Klar zum Ablegen! Und nichts tut sich. Beide Motoren machen die gleiche Fehlermeldung. Sind die Batterien leer? Hat irgendetwas zu viel Strom gezogen? Den Stegnachbarn müssen wir begreiflich machen, dass sie an einem Sonntagmorgen nun doch hätten ausschlafen können… und dann beginnt die Fehlersuche. Wir kommen nicht weiter und kontaktieren schliesslich Douglas Bartlett, ob er noch eine Idee hat. Glücklicherweise ist er in der Nähe bei einem anderen Kunden und teilt uns mit, er könne in einer knappen Stunde bei uns vor Ort sein. Das wird ein sehr gemütlicher Sonntagmorgen mit viel Kaffee…
Die Fehlersuche beginnt und auch ein versierter Techniker kann ratlos sein…

Bis hin zur Verkabelung unter dem Dashboard – in der Annahme, beim Einbau der Stabilisatoren könne sich dort vielleicht etwas gelöst haben – und zum Ausbau der Lichtmaschinen geht die Suche. Schon ungewöhnlich, dass das Problem bei beiden Motoren auftritt! Es scheint einfach kein Impuls zum Starten / kein Strom anzukommen.
Am Ende scheint jeweils eine Feder geklemmt zu haben und beide Maschinen laufen, nachdem zuvor so ziemlich alles, was kurzgeschlossen bzw. überbrückt werden kann, dies auch über sich „ergehen“ lassen musste.
Der Hafenmeister ist informiert und wir dürfen so lange liegen bleiben, bis wir wieder fahrbereit sind. Dies ist um 14.45 statt der geplanten 8.00 der Fall.
Über Hollands Diep geht es aufs Volkerrak, die Krammer und zuletzt aufs Grevelingen. In den Schleusen lassen wir die Motoren jeweils laufen – falls doch noch mal ein Problem auftritt. Koffie scheint das Motorengebrumm ohnehin immer zu beruhigen:

Die Schleusen sind um 15.15, um 17.30 und um 18.30 – zuletzt mit etwas mehr Wartezeit erreicht und dann kommt nur noch der letzte Schlag bis in unseren Heimathafen. Auf dem Weg über das Grevelingenmeer haben wir relativ lange einen Passagier an Bord:

Um 20.45 liegen wir damit 6 Stunden später als geplant in unserem Heimathafen und räumen schnell das Boot aus, da der nächste Aufenthalt erst in frühestens 3-4 Wochen erfolgen kann. Ausserdem muss der Heimweg ja noch über Kerkdriel führen, um dort das zweite Auto zu holen.
Insgesamt waren wir damit 30,5 Motorbetriebsstunden (und einige Generatorstunden zum Kochen / Testen) und 158 sm unterwegs, also wirklich nicht allzu viel.
In den kommenden Tagen wird DMS Holland die Installationsarbeiten des MagnusMaster-Systems komplettieren und hierbei auch noch einmal das gleiche Problem mit der BB-Maschine haben, wie es in Willemstad aufgetreten ist. Wissend, was zu tun ist, sollte dies aber für die Techniker kein Problem sein und so erhalten wir später die Nachricht, dass das Boot nach Testfahrten wieder gut in seiner Box angekommen ist.
Für die Zukunft war bei Vertragsabschluss vereinbart worden, dass wir die Seassary für DMS Experience Days zur Verfügung stellen werden – wir sind gespannt, wann ein entsprechender Terminvorschlag kommt und freuen uns zunächst auf die kommende Saison und unsere netten Stegnachbarn.
