London? London! 2016 zu den Olympischen Spielen geplant und 2017 wegen Bootswechsel nicht realisiert. 2018 – eigentlich schon fast aus den Augen verloren aufgrund der Einreisebestimmungen für die Bordhunde Sturdy und Shisha . Doch es ergab sich kurzfristig die Gelegenheit, den Törn doch noch zu realisieren….

Alexander Jonkers von Jonkers Yachts hatte sich angeboten, das Boot mit seiner Crew zu überführen und dann mit unserem Bulli zurück nach Zeeland zu fahren. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank! Damit konnte die Water’n Wind im St. Katherine’s Dock zu Füßen der Tower Bridge übernommen werden. Eine Marina mit sehr gutem Komfort und optimaler Ausgangspunkt für Sightseeing by Bus, Tube or Bicycle – insbesondere der Cycle Superhighway ist eine wirklich tolle „Erfindung“ der Briten. Aus der geplanten Woche wurden somit auch mit Blick auf die Tide und den Gezeitenkoeffizienten 11 Tage vor Ort für den Hauptteil der Crew – und die Rückreise entsprechend kürzer….
TAG 1 – Mittwoch, 15. August 2018:
Die Themse hat je nach Tide deutlich mehr Hub als gedacht und somit gab es für das Verlassen der Marina nur die frühe Option: 6.05 Ortszeit Einfahrt in die Schleuse und dann um 6,.45 endlich Ausfahrt flussabwärts auf die Themse.

Bei gut 3,5 km/h Ebbstrom geht es mit 1600 rpm und ca. 10 kn flußabwärts Richtung Themse-Sperrwerk – diese Strecke ist in knapp 45 min absolviert. Die Anmeldung dort über Funk läuft reibungslos, wird allerdings erst von dort gemanagt wenn man in Sichtweite des Sperrwerks ist:

Weiter geht es flußabwärts Richtung Nordsee. Aufgrund eines defekten Kompasses muss nun noch die Kalibrierung im Sea-Trial erfolgen. Aufgrund der relativ kräftigen Strömung braucht es mehrere Anläufe, bis alles zur Zufriedenheit läuft und bringt uns – bei allerdings inzwischen schönem Wetter – ca. 1 Stunde Verzögerung ein.

Damit kann nun im Gebiet der Themse–Mündung (Thames Estuary) der Autopilot zusätzlich aktiviert werden. Bei Windstärke 4 bft spielen wir nochmals die Variante durch, bis Ramsgate zu fahren und dann am nächsten Tag über den Kanal überzusetzen. Der Kurs geht durch den Princess Channel und relativ rasch dreht der Wind und frischt auf gut 5 bft auf. Trotz der Najad-Stabilisatoren rollt das Boot bei Wind und Strom von querab. Erneute Diskussion über die Fahrroute und wir sagen „Augen zu und durch“ und halten an unserem ursprünglichen Plan der Fahrt über Nacht fest.

Wegpunkte sind Princess Outer, Thanet N, Falls Head. Inzwischen haben wir 6-7 bft erreicht und ein ziemlich unruhiges Wasser bei immer sicherem Fahrverhalten des Boots. Kurswechsel Richtung Foxtrott 3, um das erste Verkehrstrennungsgebiet im rechten Winkel zu kreuzen – hier begegnet uns unter anderem die Aida.

Der Wind wird langsam wieder ruhiger mit 4-5 bft. Wie überqueren bei Sandettiè N das nächste Verkehrstrennungsgebiet und fahren dann in diesem steuerbordseitig in nördlicher Richtung an Bergues vorbei Richtung Oostdyck weiter.
TAG 2 – Donnerstag, 16. August 2018:
Von hier aus folgen wir der DW Route Richtung Zeebrugge, inzwischen ist es stockfinster, so daß die Fotodokumentation versagt ;-).

Die Option war, jederzeit bei Problemen Nieuwpoort oder Oostende anzusteuern, was aber nicht erforderlich wurde. Ab Zeebrugge wird in den frühen Morgenstunden der Verkehr deutlich dichter, nun haben wir wie geplant auch wieder die Strömung im Rücken bei weiter nachlassendem Wind (3-4 bft). Über Scheur geht die Fahrt Richtung Westerschelde und unseren ersten Zielhafen in Breskens. Ankunft dort um 4.30 Ortszeit nach also 21,5 Std. Fahrt.

Zeit für eine Runde Schlaf. Der Hafen hat aktuell nicht viel zu bieten und so entscheiden wir uns, um 13.00 weiter zu fahren mit Ziel Middelburg – zum Tanken und zur Rückgabe der geliehenen Rettungsinsel. Für die 2-3 sm Richtung Vlissingen über die Westerschelde braucht es nicht lange – dafür um so länger, um durch die Kleine Sluis Vlissingen nach binnen zu kommen. Hier machen wir um 14.10 fest um um 14.25 ausfahren zu können.
Danach geht es mit wenig Wartezeit über den Kanal door Walcheren Richtung Middelburg im Konvoi. Der Blauwe Golf (April-Oktober) sieht hier feste Brückenöffnungszeiten für die Konvois vor (s. Wateralmanak Teil 2).

Tanken in Middelburg bei Jos Boone B.V. ist pro Liter Diesel über 30 Cent günstiger als an den umliegenden Bootstankstellen und rechnet sich daher bei der benötigten Menge deutlich. Im Hafen ist leider kein Platz für uns mehr frei, somit drehen wir dem Bunkerschiff den Rücken zu und fahren weiter Richtung Veere – auch hier ist kein Platz, so daß es über das Veerse Meer weiter Richtung Kortgene geht.
Der Hafenmeister weist uns dort eine Box in Kenntnis unserer Bootsmaße zu – die sich jedoch eindeutig nicht nur in den Augen der Dauerlieger, sondern auch in unseren Augen als zu schmal erweist. Eigentlich hätten wir in 5,10 m knapp passen müssen – aber nicht mit beidseitig angebrachten Stegfendern. Also raus aus der engen Boxengasse und an den endgültigen Liegeplatz für die Nacht einen Steiger weiter…. Motoren aus um 18.50.
TAG 3 – Freitag, 17. August 2018:

Hier starten wir in einen sonnigen Morgen und nach Brunch und einigen Wäschen geht es um 13.00 weiter Richtung Zandkreeksluis. Dort ebenfalls relativ lange Wartezeit, dann weiter Richtung Zeelandbrug und von dort aus in Richtung Bruinisse. Bei der Einfahrt in die Grevelingensluis drängeln sich alle kleinen Boote vor, was vom Schleusenwärter lautstark kritisiert wird. Dennoch schleusen wir als letztes und schwerstes Boot in der Schleuse zügig mit.

Ausfahrt auf’s Grevelingenmeer und dann Kurs Port Zélande – unseren Heimathafen. Für den bisher kurzen Schlag sind aufgrund der Schleusen- und Wartezeiten deutlich über 4 Stunden vergangen – kein Vergleich zum Tempo der beiden Vortage. Mit Sonne und guter Stimmung lassen wir es gemütlich angehen, eigentlich wollen wir auch noch gar nicht ankommen…

Nach insgesamt 6 Stunden Fahrt liegen wir dann wieder in unserem Heimathafen Marina Port Zélande, um einige Seemeilen und Erfahrungen reicher.

Die Kanalüberquerung war navigationstechnisch einfacher und der Seegang deutlich mehr als lt. aller Forecasts gedacht. Beide Motoren sind absolut rund gelaufen – mit den Najad-Stabilisatoren, Radar, GPS und AIS hatte man zu keiner Zeit ein unsicheres Gefühl.
Verwendete Karten waren Imray C1, C2 und C30 sowie eine aktuelle Navionics-Karte in einem Raymarine ES 128 – Plotter. Und jetzt geht es an die Nachbereitung des langen, aber viel zu kurzen Törns incl. Putzen …
